Frage des Monats

Februar 2, 2010 - 12:00 am 8 Comments
Wie bewerten Sie die europäische Hilfe in Haiti?

« Ma liberté, c’est ce que je fais de ce qu’on a fait de moi »

August 14, 2010 - 1:55 am No Comments

Von Mordechaj

“Die Freiheit ist das, was man aus dem macht, was aus einem gemacht worden ist.”

Es ist Sartre, von dem dieses sehr wahre und erleuchtende Zitat stammt.
Es sagt in andere Worten: Du, der frei die Aspekte deines Lebens schaffst, welche zu verformen dir die Unabhängigkeit gegeben wurde, bist wahrhaft frei.

Ich erlaube mir, dem noch eine Phrase hinzuzufügen, die kaum in der Lage ist, dieselbe Größe zu haben: Wer nicht weiß, wovon er abhängig ist, hält sich für frei, was sagen will, dass die Freiheit nicht mehr als ein Blickwinkel ist, mehr noch, dass die Freiheit das Produkt einer besonders leichtgläubigen Geisteshaltung ist. Ich sage das nicht pejorativ, für mich ist die Leichtgläubigkeit eine echte Macht, aus ihr erwächst das Vertrauen und die Hoffnung.

Ich persönlich glaube, dass es beinahe besser ist, sich für frei zu halten, als es wirklich zu sein, denn es ist überhaupt nicht wichtig, ob man es ist, oder nicht, weil die Freiheit selbst nichts weiter als die Idee einer unendlichen Leichtigkeit ist und weil als solche das Gefühl ihrer Tatsächlichkeit ausreicht. Um vielleicht im Geiste Aristoteles’ zu sprechen: Jede Handlung zu Gunsten der Freiheit strebt nach dem höheren Gut sich frei zu fühlen, eher noch als dass sie als Ziel eine wahrhaftige Freiheit hätte, welche in der Mehrzahl der Fälle nicht einmal zugänglich wäre.

Man muss deshalb eine vernünftige und realistische Sicht auf diesen Gedanken gewinnen. Für jene, die in der geistigen Verfassung sind, sich mit der Freiheit aktiv zu befassen - will meinen; für jeden, der einen Begriff davon besitzt und danach strebt, folglich also jedes Wesen von einer gewissen Intelligenz - wird es niemals eine vollkommene Freiheit geben, weil keine dieser Personen wirklich zu der gebotenen Leichtgläubigkeit in der Lage ist. Die Leichtgläubigkeit ist ein Geschenk, dass wir sehr oft ihrer eigenen Annihilation anheim führen, das ist die Erbsünde. Auch das sei nicht abwertend gesagt, denn es ist diese Sünde, die uns zu Menschen macht.

Im Grunde ist auch genau das die Lehre, die ich aus der Geschichte der Erbsünde ziehe. Ein einfaches, freies Leben aufzugeben, die Ewigkeit aufzugeben, die Nähe zu Gott aufzugeben (entschuldigt, dass ich das Thema auf einmal so religiös aufziehe, aber das liegt ja nicht gerade fern, wenn man von der Sünde spricht), nur um sein ganzes Leben nach dem Aufgegebenem zu streben, das ist menschlich, ist rein, das ist fast wie ein Lebenssinn, wenn man so weit gehen mag. Man würde sicher von einem Fehler sprechen, den Eva in der Geschichte begangen hat, aber man lernt an Fehlern zu wachsen. Wir wachsen an der Historie und unserer Erziehung, wir wachsen an Dingen, die uns widerfahren sind. Und jeder erfolglose Flugversuch gibt und ein Stück mehr die Fähigkeit, in ein neues Schicksal davonzufliegen. Das einzig Wichtige ist, diese Chance wahrzunehmen. Eva hat das getan, wenn auch gegen das Gesetz, während Adam dazu den Mut nicht hatte, und genau da hatte unsere ständig scheiternde Existenz ihren Anbeginn. Es ist aber dieses scheiternde Wesen, das unserem Leben Sinn einhaucht, ich meine, was wäre die Tugend in einer Existenz, die nicht zum Scheitern fähig ist, wert?

Und genau deshalb ist es so wenig wichtig, in vollkommener Freiheit zu leben, denn in dem Moment, in dem man glaubt, an diesem Punkt angekommen zu sein, hat das Leben jede Sinngabe verloren. Ohne abhängig zu sein, ohne sich selbst hinter’s Licht zu führen und ohne den Drang diese größte Größe zu erreichen - oder jedoch dahin zurückzukehren -, wäre man nicht frei, sondern von Neuem, viel Schrecklicherem determiniert, determiniert von Der eigenen Unbedeutsamkeit (ohne Abhängigkeit gibt es nichts, woran man sich halten kann und niemand, den man an sich binden könnte).

Es bleibt also nichts anderes übrig, als den Begriff der Freiheit anzupassen und zu individualisieren. Wieviel davon ist man fähig zu besitzen, ohne dabei an Bedeutung zu verlieren. Was macht man aus dem, was aus einem gemacht worden ist, denn genau dadurch findet man die Fähigkeit, sich zu befreien, ohne sich die Freiheit bloß einzubilden, die, wie gesagt, nichts weiter als die Idee von Leichtigkeit ist. Für alles Weitere und im Endeffekt, reicht es wohl, sich im Klaren darüber zu sein, dass man nur eine Illusion der Freiheit hat und braucht, denn würde man sich davon lösen, gäbe man auf, was uns wirklich menschlich macht, die Kraft nämlich, die eigene Welt mithilfe des Geistes zu verformen, denn am Ende ist die Illusion ein schöpferischer Akt - wie es also auch die Illusion von Freiheit ist.

Das ist eine Medaille mit zwei Seiten. Es gibt, wenn es um die Freiheit geht, tatsächlich ein zu viel und zu wenig, und selbst was die Leichtgläubigkeit, die Abhängigkeit und die Illusion betrifft, auch hier gibt es ein zu viel und zu wenig. Es ist einzig und allein wichtig, sich auf der Suche nach der Wahrheit nicht in etwas zu verlieren, was lediglich wahr zu sein scheint, genauso wie es wichtig ist, wann zu viel von der Wahrheit abhängig zu machen tatsächlich zu viel ist. Es reicht vollkommen aus, sich der Wahrhaftigkeit von Freiheit anzuvertrauen, von der Sartre spricht, während man sich der Illusion hingibt, dass man noch mehr Freiheit besitzt, denn wäre so viel Freiheit tatsächlich existent, würde das alles andere verderben.

Gedanken zum Menschsein und Ewigsein

Mai 16, 2010 - 6:34 am No Comments

Na dann will ich mal Senf über die dritte große monotheistische Religion hinzufügen…

Von Mordechaj
Als Mosheh auf Chorev den brennenden Busch fragt, was er seinem Volke sagen soll, wer ihm auftrug, sie aus der Sklaverei zu führen, erhält er als Antwort: Ehyeh asher ehyeh.

Das ist im Grunde ein sehr schöner Ausdruck, um G-tt zu beschreiben, es ist nichts Greifbares, nichts Eindeutiges. Von jeher wird diese Aussage von Theologen und Übersetzern unterschiedlich wiedergegeben und interpretiert. Das hat den Grund, dass die hebräische Grammatik selbst sehr sparsam mit Formenreichtum ist, man muss die Wortbedeutung aus dem Kontext erschließen. Diese Aussage hier besitzt aber keinen Kontext, sie ist in nichts eingebettet als Ihn selbst, genauso wie auch Er ohne Kontext ist.

Was will dieses Ehyeh asher ehyeh nun bedeuten können?
‚ehyeh‘ ist die progressive Futurform von ‚sein‘, lihiot. Von Muttersprachlern wird die Form als eine Verbindung von Präsens (hoveh) und Futur (atid) wahrgenommen. Wie schon erwähnt ist die hebräische Grammatik sehr sparsam, so stecken in ein und derselben Konjugationsform mehrere verschiedene mögliche Aussageintentionen. In diesem Fall kann das sein: Ich werde sein, ich sei, ich soll sein, ich wäre, ich kann sein, ich geruhe zu sein, etc.pp. Das Wort beschreibt Ihn als zeitlos und unendlich.
‚asher‘ ist ein allgemeines Relativpronomen, auch hier ist das Hebräische wieder sehr auf Mehrwegverwendung bedacht, es kann sowohl als auch bedeuten: was, wer, wie, wo, wann; das, was; der, der; etc. Heutzutage wird das Pronomen nahezu ausschließlich dazu verwendet, Relationen in bestimmten Wortverbindungen anzugeben, kommt als alleinstehender Satzteil also kaum noch zur Geltung.

Ich bin der, der geruht  zu werden, all das und wer und all dort und wann ich sein werde.

Man spricht von göttlicher Emanation, von etwas, das einen Anfangspunkt im Hier und Jetzt besitzt und in der Ewigkeit nicht endet. Damit ist Er alles Seiende und alles Werdende, ein Alles-Sein und Selbst-Existieren. Viel mehr noch, Er ist der, durch den alles Sein und Werden erfährt.

Ivrit hat keine Präsensform für das Wort ‚sein‘. Ich kann auf Hebräisch nicht feststellen „Ich bin.“, nur „Ich bin klein.“, Ani katan. Das ist sehr interessant, wenn man daran denkt, was das für das Selbstverständnis bedeuten muss, viel mehr noch, wenn man an markante Stellen aus Bereshit denkt, wir deutlich, wie viel unmittelbarer Seine Existenz ohne einen Gegenwartszustand ist.
Ein Beispiel, welches in seinem Wortlaut ziemlich bekannt sein dürfte:
Vayomer Elohim yehi or ve-yehi or.  Elohim sprach: Es werde Licht; und es wurde Licht.

Nicht etwa befiehlt Er dem Licht zu sein, Er befiehlt ihm zu werden, und es war nicht, es wurde. Das Licht wird damit ebenso ungreifbar wie Seine Existenz, es ist ein Werden statt ein Dasein.

In Bezug auf Ihn fallen in den Schriften noch mehrere derartig Tautologien, etwa: „Ich will […] dir kundtun den Namen HVYH: Wem Ich gnädig bin, dem bin Ich gnädig, und wessen Ich Mich erbarme, dessen erbarme Ich Mich.“ Meist macht Er sie über sich selbst, weil Er niemals (zumindest soweit ich weiß; es kann vielleicht durchaus vorgekommen sein) objektiviert wird, er ist immer Subjekt. Das unterstreicht einerseits den Eindruck, dass diese Worte direkt von ihm kommen, andererseits weist es ihm auch stilistisch eine Allgegenwärtigkeit zu. Und selbst, wenn man über Ihn spricht, wird Seine Gegenwart stets betont, wo Mosheh den Söhnen Yisraels sagen soll: Ehyeh schickt mich zu euch.

Ehyeh asher ehyeh. Ich bin, der ich bin. Ich mag sein, was ich sei.

Es gibt keinen Satz im Tanakh, der meine Beziehung zu meinem G-tt mehr geprägt hätte, der mein Bild von der Schöpfung und dem Dasein besser zu fassen wüsste. Er besitzt keinen Namen, deshalb kann HaShem auch niemals offenbart werden, er ist das Alles-Sein und die Selbst-Existenz, er muss erfahren werden. Nur wer Sein und Werden in Einklang zu bringen vermag, der die unerklärte Selbstexistenz Seiner Herrlichkeit hinzunehmen vermag, lernt Ihn kennen.
Dr. Eli Erich Lasch beschreibt das in seinem Buch „Let there Be Freedom“ wie folgt:

Moses erlebte auf Chorev eine Erleuchtung, und seit dieser Zeit sah er die Welt auf andere Art und Weise. Er erkannte, dass die Wirklichkeit in verschiedenen Formen und Dimensionen gesehen werden kann. Nun war er bereit, nicht nur seine eigene Realität zu verändern, sondern auch die der ihn umgebenden Welt. Nun konnte er vollbringen, was wir „Wunder“ nennen würden. In diesem Augenblick hatte Moses seine Göttlichkeit wieder gewonnen.

Ich halte nicht viel von fremden Interpretationen der Schriften, weil sie letztendlich immer einen entweder subjektiven oder theologischen Charakter haben und beides ist bei der Entwicklung eines persönlichen Bildes eher hinderlich. Hier aber sprechen wir in etwa dieselbe Sprache.

 

Was ist die Konsequenz daraus?
Ein Dasein, das Sein und Werden zu akzeptieren und zu vereinen weiß, entfernt sich von der Existenz in der Vergangenheit. Der Mensch definiert sich im Allgemeinen über das, was ihm Zugestoßen ist, seine Identität besteht aus in vergangenen Ereignissen erworbenen Werten und Erfahrungen. Das ist einerseits die Wesensgabe des Menschen, dass er erinnern kann, nur durch Erinnerung wird eine Zukunft denkbar. Das tut der Göttlichkeit der Emanation keinen Abbruch, jeder Anfang hat eine Art dunkles, angsteinflößendes Nichts, aus dem er hervorging. Auch der Gott der Hebräer hat einen Anfang:

Vayomer anuki Elohi abeykha, Elohi Abraham, Elohi Izehak, ve-Elohi Yakov. Und er sprach: Ich bin da eben der Gott deines Vaters, der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs.

Man darf diesen Urzustand hier nicht falsch verstehen, nämlich schöpferisch. Er ist viel eher tranzendental zu sehen. Als Gott sich Mosheh als der Gott seiner Vorväter zu erkennen gibt, verbirgt dieser angstvoll sein Gesicht. Bei Lasch:

Im ersten Teil der Begegnung erscheint Gott Moses in dem Aspekt von HVJH, dem Aspekt des ewigen Seins, als Gott der Zeit. Die Offenbarung beginnt mit der Erinnerung an die Vergangenheit – Ich bin der Gott deines Vaters – und Moses reagiert, indem er sein Gesicht verhüllt.  „Was für ein Gott ist dieser Gott, den wir für seine Dienste und Versprechen in der Vergangenheit anbeten sollen und der es in der Gegenwart zulässt, dass sein Volk ausgerottet wird. Ein solcher Gott ist höchstens zu fürchten.“ […] Aber in diesem Augenblick verändert sich alles, und Gott wird zum Gott der Gegenwart.

Die Mission Mosheh, der Auszug aus Ägypten, die Erfahrung der Schemot, das Auserwählen der leidenden Hebräer zum Bund mit G-tt bilden den Anfang von Adonay, dem Herren. Dennoch verkörpert er weiterhin die göttlichen Dimensionen seiner Schöpfung und seiner Selbst-Existenz, Elohi ist Elohim, ein Gott, der mehre Götter ist, der Gott Jakobs, Isaaks, Abrahams, Noahs, Amrams, schließlich Moshehs, der Gott der Schöpfung, auch der Gott Christi, manchmal sogar der Gott der Muslime.

Der Charakter G-ttes ist ein ständiges Neuanfangen, ein Umwerten, wenn man es mit Nietzsche halten will: Ein Vergessen. Das bedeutet – noch einmal – nicht, dass man die Vergangenheit nichtig zeihen oder gar auslöschen soll, es heißt nur, sie als vergangen anzuerkennen.
Gleichzeitig heißt es, sich der Zukunft anzuvertrauen, auf dass aus ihr schöpferische Kraft entstehe. Auf diese Weise bleibt die Nähe zum Alles-Sein gewahrt, die Rückkehr dahin ermöglicht.

Mission trotz Missbrauch ?

Mai 14, 2010 - 4:29 pm 1 Comment

Mittwoch, der 12. Mai 2010. Ich sitze gerade auf einer Parkbank am Markusplatz Bamberg. Die Sonne kommt erstmals an diesem Tag hinter den Wolken hervor, die Schule hat gerade geendet und ich habe etwas Zeit, bevor ich zur Mathematik-Nachhilfe muss. Darum lese ich in meinem Buch weiter. „Im Westen nichts Neues“. Plötzlich vernehme ich eine laute Stimme: „Guten Tag!“ Ich blicke auf. Vor mir steht eine Wand aus weißen Hemden, sowie schwarzen Krawatten und Namensschildern. „Kennen Sie schon das Buch Mormon?“ Ich kenne es zur genüge, da meine Nachbarin – eine gute Freundin von mir – Mormonin ist. Allerdings habe gerade überhaupt keine Lust auf einen theologischen Disput – die Westfront ist einfach zu spannend. Ich sage also nur: „Kein Interesse!“. Doch die beiden Missionare der letzten Heiligen wollen mir meine Lektüre offenbar einfach nicht gönnen. „Kennen Sie denn eventuell Jemanden in ihrer Familie, dem wir das Licht der Hoffnung bringen können?“ Mir wird das Ganze etwas zu dreist, darum stehe ich und setze meinen Hut auf, und gehe. Im Gehen rufe ich den beiden Weißhemden noch zu: „Ich kenne Euren Verein. – Eure Ansichten sind völliger Schwachsinn! – Ich bin in der EKD; Ich bleibe in der EKD! Schönen Tag.“ Dass sie zurück grüßen höre ich schon gar nicht mehr.

Später tut mir meine etwas gereizte Reaktion Leid. Ich bin als Christ schließlich ebenfalls zur Mission berufen, und habe sogar selbst schon an missionarischen Aktionen teilgenommen. Da kann ich doch nicht plötzlich etwas gegen das Missionieren haben, bloß weil es in diesem Fall eben von Leuten ausgeht, die einen anderen Glauben haben! Natürlich kann man sich darüber streiten, ob die Art und Weise, wie die beiden Mormonen missionierten, angemessen war – aber gegen den Missionsversuch an sich lässt sich nichts sagen.

Vor allem habe ich selbst schon erfahren gemusst, wie schnell man wegen der Zugehörigkeit zu einer bestimmten Religion intolerant, und vor allem undifferenziert behandelt wird. Während des Christivals 2008 in Bremen, berichteten alle großen Zeitungen und Magazine wie konservativ, evangelikal, und vor allem intolerant und homophob wir Christen doch alle seien, und wie aufgeklärt und tolerant doch die Gegendemonstranten. Worüber seltsamerweise aber kaum eine Zeitung berichtete: Während des Christivals durchbrach eine größere Gruppe der Gegendemonstranten den Zaun des Christival-Geländes, und attackierte uns Christen mit Feuerwerkskörpern – vereinzelt auch mit Knüppeln. Dass dabei niemand ernstlich verletzt wurde, haben wir nur dem schnellen Eingreifen der Polizei zu verdanken.

Wo wir schon schon bei den Medien sind: In Bezug auf den Missbrauch-Skandal der katholischen Kirche ‘zierte’ das Cover der Satire-Zeitschrift TITANIC vor Kurzem ein Bild, welches einen Priester zeigt der vor einem Kruzifix kniet. Die Perspektive des Bildes versuchte eindeutig den Gedanken an Oralverkehr zu implizieren; Untertitelt war das Ganze mit: “Kirche heute”. Viele christliche Zeitschriften – z.B. Idea Spektrum, und PRO – regten sich über das „blasphemische“ Bild auf, und so auch Ich; doch ich denke mittlerweile, dass man dem Bild auch durchaus Positives abgewinnen kann. Ich zumindest fühlte mich beim betrachten des TITANIC-Covers sofort an den Ausspruch Jesu „Was ihr einem meiner geringsten Brüder [an]getan habt, das habt ihr mir [an]getan!“ erinnert. Sollte dies der Hintergrundgedanke des Zeichners gewesen sein – was ich allerdings bezweifle – so wäre das TITANIC-Cover in der Tat das, was es vorgibt zu sein: Intelligente; Kritische; Gut gemachte Satire.

Um auf die Mission zurückzukommen: Im Zuge des Missbrauch-Skandals stellt sich natürlich auch die Frage, ob man nun als Christ überhaupt noch guten Gewissens für das Christentum werben darf. Ich persönlich denke: Man darf es.

Nur weil Einzelne, welche vorgeben einem System zu folgen, dieses System falsch oder gar nicht umsetzen, ist noch nicht das System an sich falsch! Das Christentum ist nicht falsch! Sonst müsste auch die Demokratie falsch sein, nur weil sie in der Deutschen ‘Demokratischen’ Republik falsch umgesetzt wurde!

Das Kreuz sei eben kein Zeichen für Missbrauch, Gewalt, und Kreuzzüge!

Das Kreuz ist ein Zeichen für Gewaltlosigkeit und die „andere Wange“.

Das Kreuz sei eben kein Zeichen für Intoleranz und blanken Hass!

Das Kreuz ist ein Zeichen für„Liebe deine Mitmenschen“, ja sogar für

Liebt eure Feinde und betet für alle, die euch verfolgen! “.

In diesem Sinne …

Jérôme Denis Andre, 18 Jahre

Der Koran

Mai 9, 2010 - 12:00 am 4 Comments

Von Jin

Nun bin ich mit der Lektüre des Korans schließlich doch zu einem Ende gekommen. Da ich dem Arabisch noch nicht nennenswert mächtig bin, bediente ich mich der Übersetzung von Max Henning. Mit großen Enthusiasmus die ersten Suren gelesen, aber zugegebenermaßen sah ich mich einige Male in der Tat der Situation gegenüber nicht fortfahren zu wollen. Aufgerafft, hab ich besonders in Richtung Ende fast so etwas wie Gefallen daran gefunden. Die Sprache hat etwas wundervoll Beruhigendes, spendet fast schon Trost, wenn man eigentlich völlig fertig ist.
Natürlich hat der Koran durchaus den Charakter einer versuchten Gehirnwäsche, was wohl auch Sinn und Zweck eines solchen Buches ist. Eine Zeile, die auf jeden Fall haften bleibt, wäre diese: >>Siehe, Allah ist weise und barmherzig.<< in unzähligen Wiederholungen und Variationen. Nun, einen übermäßig barmherzigen Eindruck von Allah konnte man mir nicht vermitteln. Zuerst erscheint er mir wie eine völlig von Menschen geschaffene Figur – Willkür, Gefallsucht, derartiges. Aber auch wenn ich Allah für real hielte und bestrebt wäre, unter allen Umständen ins Paradies ein zu treten – es wäre mir völlig suspekt, wie ich dies bewerkstelligen sollte. Fast jede Tat wird mit Dschahannam bestraft. Nun ist Allah zum Glück ein verzeihender Gott, doch verschließt er die Herzen der Ungläubigen und Frevler, so dass sie am Jüngsten Tag keinen Einzug in den Garten Eden, durcheilt von Bächen, usw. halten werden. Vor allem an diesen Stellen, an denen Allah etwas über die Schließung von Herzen verkünden lässt, erscheint er mir willkürlich.
Oft erzählt der Koran von Dingen, die mit unseren heutigen Werten eigentlich nicht mehr vereinbar sind. In der Tat fordert dieses Buch zur Vernichtung der Ungläubigen auf, und es stimmt genauso, dass Frauen den Männern nicht gleich gestellt sind. Ein muslimischer Mailfreund, der mir die ganze Zeit geduldig zur Seite stand, meinte, die finanziellen Unterschiede kommen ganz einfach daher, dass Männer grundsätzlich für die Familie zu sorgen hatten und es deshalb nicht notwendig war, einer Frau übermäßig viel zu vererben. Plausibel. Der Koran ist 1400 Jahre alt, das sollte man nicht außer Acht lassen. Ich persönlich finde es vor 1400 Jahren ebenso abstoßend wie heute, wenn man über andere Völker herfällt und Frauen schlägt, aber derartiges scheint ja auch im Abendland nicht ganz unüblich gewesen zu sein. Irgendwann macht es eine Religion nicht mehr zwingend sympathisch, wenn sie sich an 1400 Jahre alte Buchstaben klammert.
Ganz interessant ist auch, dass der Koran das Judentum und das Christentum nicht als Religionen anderer Götter sieht, sondern einfach als Vorgängerreligionen des Islams. In der Vergangenheit tauchten wohl schon einige Propheten mit Botschaften Allahs auf, so dass z.B. die beiden o.g. Religionen entstanden sind. Leider wurden die Wahrheiten, die diese Propheten verkündeten, von den Menschen verfälscht, so dass es notwendig war, den Koran als letztes entgültiges Wort Gottes zur Erde zu senden.
Eine solche Lüge ist beispielsweise die Situation Jesus’ im Christentum. Es stellt eine wirklich sehr geächtete Sünde dar, zu behaupten, er wäre Gottes Sohn. Allah legt im Koran gesteigerten Wert darauf, dass er der absolut einzige Gott ist und keinerlei Verwandschaft hat, was auch einen Sohn ausschließt.
Viel mehr soll Jesus’ Geschichte so vonstatten gegangen sein, dass Maria aus irgendeinem Grund nicht geschwängert werden konnte und Beauftragte Allahs schließlich sinngemäß sagten >>Sei!<< und Jesus war.
Die 112. Sure – eine der kurzen, am Ende des Korans gelegene – empfand ich als sehr eindrucksvoll:

Die Reinigung
Geoffenbart zu Mekka

Im Namen Allahs,
des Erbarmers, des Barmherzigen!

1 Sprich: Er ist der eine Gott,
2 Der ewige Gott;
3 Er zeugt nicht und wird nicht gezeugt,
4 Und keiner ist ihm gleich.

Ein kurzer Exkurs in die Welt des Korans.

arte plus7 – Kinder unter Kontrolle

Mai 2, 2010 - 11:34 am 1 Comment

Von Mordechaj

In der arte-Dokumentation werden Forschungsmodelle in Richtung Jugendkriminalität und Verhaltenstörungen gezeigt.

Verhaltensstörungen bei Kindern und Jugendlichen zählen zu den zentralen Problemen der heutigen Gesellschaft. Politiker berufen sich gern auf eine Reihe von wissenschaftlichen Untersuchungen, die auf einen möglichen Zusammenhang zwischen bestimmten Verhaltensmustern und späterem kriminellen Verhalten hinweist. In Europa, den Vereinigten Staaten und Kanada sucht die Forschung nach den medizinischen Ursachen – seien sie psychiatrisch, neurologisch oder genetisch – für das Gewaltverhalten von Jugendlichen und empfiehlt ein immer frühzeitigeres Screening. So sollen mit einer umfassenden Reihenuntersuchung bei möglichst vielen Kindern schon früh entsprechende Risikofaktoren erkannt werden.
Die Dokumentation stellt die Frage, ob Kriminalität eine Krankheit ist und ob Wissenschaft und Medizin bald Probleme lösen können, die bisher als Domäne von Erziehung und Sozialarbeit galten. Er untersucht den Ansatz der heutigen Verhaltensforschung gegenüber Kindern und Jugendlichen und weist auf mögliche Folgen für die zukünftige Gesellschaft hin.

Regie führte Marie-Pierre Jaury.

http://plus7.arte.tv/de/1697660,CmC=3180636,scheduleId=3130780.html
(nur noch bis 6. Mai 21.45 verfügbar)

 
Ich höre diesen dicken Mann vor dem Projektor von Körpergröße sprechen und erinnere mich an Instrumente, die den Kopfumfang und damit die kriminelle Energie eines Delinquenten messen wollten. Ich höre den Schnösel von der UMP, der vom brennenden Mülleimer zum Banküberfall als schlimmstanzunehmenden Delikt kommt, ich sehe den fragwürdigen Typen, der davon spricht, Menschen wegzusperren oder in Rehabilitationsanstalten zu stecken, weil damit der Gesellschaft so ungemein geholfen sein, und ich kenne das DSM-IV, das alles zu einer Persönlichkeitsstörung erklärt, was nicht so ist, wie man sein muss.

Mediziner neigen dazu, alles mit Medizin erklären zu wollen. Politiker neigen dazu, Gelder für teure Projekte klar zu machen, sobald irgendein Wissenschaftler dreist genug ist, seine fragwürdigen Erkenntnisse als den Urschleim, aus dem wir gemacht sind, zu verkaufen. Was mit dem Klimawandel klappt, klappt auch mit der Verbrechergenetik.

Glückwunsch, ihr in euch hineinfluchenden Counter-Strike-Spieler, ihr seid offiziell verhaltensgestört und eine Gefahr für die Gesellschaft, weil ihr menschliche Verhaltensweisen zeigt.

Warum die Aktualität von Verhaltensstörungen? Es gibt Psychologen, die bei Kindern im Alter von 3 Jahren eine bipolare Störung oder andere affektive Probleme diagnostizieren – heißt: Die Kinder können kaum reden, Gefühlsregungen zeigen oder verstehen, und werden schon extremst stigmatisiert.

Für diese Störungen werden noch mehrere Parameter angelegt; für die Diagnostik von Verhaltensstörungen gibt es häufig nur ein Indiz: Verhaltensauffälligkeit: Ein Kind ist nicht brav, nervt oder ist nicht komform mit seinem Umfeld.

Was früher mit der Prügelstrafe entkräftet wurde, trägt heute aufgrund ganz anderer Erziehungsfehler als Gewalt ab: Wie schnell ein Kind brav wird und aufhört zu nerven und sich seiner Umgebung anpasst, wenn es regelmäßig über’s Knie gelegt wird. Aber ist das zweckdienlich? Denn: Psychische Traumata, Depressionen und Angststörungen aufgrund einer gewaltvollen Kindheit sind überhaupt nicht auffällig, die passieren im Stillen; solche Störungen beeinflussen die Verhaltenswahrnehmung nicht, sie zerfressen den Menschen einfach von innen. Der Fortschritt ist heute, dass die Erziehungsfehler sichtbar werden, wir nehmen sie aktiv wahr – aber wir treten ihnen vollkommen falsch entgegen, führen Probleme auf Ursachen zurück, die uns als Erzieher von der Last der Verantwortung befreien.

Heute ist die Erziehung liberaler, Kinder können oftmals sogar tun und lassen, was sie wollen. Das ist so lange in Ordnung, wie die Eltern daraus keine Probleme ziehen, die effektiv auf ihre Erziehung zurückzuführen sind, denn dann müssten sie ihren Lebensstil ja an ein Kind aktiv anpassen und wer will das schon, wer will aktiv Verantwortung tragen, vor allem: Wer will sich aktiv in die Verantwortung für sein verhaltensauffälliges Kind holen lasen?
Da springt jetzt die Medizin ein, die sagt: Hey, Eltern, es ist nicht eure Schuld, eure Kinder sind einfach “einzigartig” – einzigartig verhaltensgestört. Gebt ihnen ein bisschen Prosac und Ritalin und es geht ihnen gut.

Ihr habt die Deutsche gesehen, die zusammen mit dieser einen Tante den Fragebogen zu ihrem Sohn ausgefüllt hat?
“Quält ihr Kind gern Tiere. Beim Spielen etwa, hat er da Spaß dran?” Sie lacht und sagt ja und lacht nervös weiter und die Tante gegenüber guckt ernst, als wär das Kind bereits der schwerstkriminelle Tierquäler schlechthin.
Das ist ein klarer Erziehungsfehler, das hat nichts mit seinem Cortisol-Haushalt oder seiner Hirnaktivität zu tun. Die Olle hat’s einfach versäumt, ihrem Sohn Mitgefühl beizubringen. Wenn ich mich recht erinnere, war der Sohn 5 Jahre alt. Wer von uns hat mit 5 Jahren Tiere schon als vollwertige Lebewesen und nicht etwa als Spielzeug betrachtet? Wer versteht mit 5 Jahren die real existierenden Gefühle und Bedürfnisse eines Tieres, wenn die Eltern es versäumen, hier aktiv Erziehungsarbeit zu leisten?

Und das tun sie, denn – wieder die Deutsche mit dem Sohn – wer allein auf das Anraten der Kindergärtnerin sonnen psychiatrischen Großangriff anleiert, der muss schon sehr hilflos sein. Das Kind mal selbst zu beobachten und sich mit seinen Problemen auseinander zu setzen – nö, da stecken wir es lieber in die Psychiatrie.

Aber warum es sich schwer machen, wenn es auch einfach geht? Einfach ein paar SSRI-Hemmer rein, dann wird das Kind gefühlsbetonter und schmusiger und allgemein ein bisschen abwesend, schon sieht die Welt wieder besser aus, denn so wollen wir unsere Kinder haben, Stephen-Spielberg-Kinder ohne tiefere Persönlichkeit.

And then again: Man nimmt für eine Vielzahl von psychischen Störungen (etwa die bipolare, die schizo-affektive, Borderline, Schizophrenie, Depressionen, Angststörungen, Migräne etc.pp.) komplexe Ursachen in Genetik, Umfeld und Lebensgeschichte wahr. Es gibt also Menschen, die genetisch gesehen höher gefährdet sind, irgendwann depressiv zu werden, brauchen dafür aber das entsprechende Umfeld und einen entscheidenden Auslöser. Aber Verhaltensstörungen bei Kindern, die exakt den gleichen Tonus haben wie affektive Unstimmigkeiten – na die betrachten wir gern rein im medizinischen Umfeld, fernab von Umwelt und Einbettung, uns könnte ja auffallen, dass Kinder Menschen sind, die im Allgemeinen genauso wenig einfach gestrickt sind, wie Erwachsene, viel mehr noch, die eine komplexe und umseitige Aufwendung an Aufmerksamkeit, Verständnis und Erziehung brauchen.

Den meisten Leuten mangelt es an einem Gespür für alle drei Faktoren. Und das ist nicht mal schlimm, auch aus deren Kindern werden irgendwann Menschen, vielleicht sogar unglaublich “wertvolle” Mitglieder der Gesellschaft. Die Gefahr ist jetzt, dass Kinder von vornherein in eine Ecke gedrängt werden, stigmatisiert werden, ihnen wird eingeredet, sie wären gefährdet, irgendwann schwerstkriminell zu werden, weil sie schonmal darüber nachgedacht haben, zu sterben oder in ihrem jungen Leben schonmal Fehler begangen haben.

Entsetzte Politiker und die fiesen Taliban

April 3, 2010 - 12:00 am 6 Comments

Von Jester Void
Bei einem Gefecht im Kunduz wurden drei Bundeswehrsoldaten getötet. Ein bedrückendes Ereignis, aber die Regierung muss gleich wieder nutzen daraus ziehen. Formel jammert sie wie es sich gehört und nehmen das ganze als Grund mit Afghanistan weiter zu machen. Die bösen bösen Taliban haben nämlich einen “hinterhältigen Angriff” gestartet, wie Frau Merkel verurteilt. Aber hey – es ist Krieg und fremde Entitäten wurschten durch das Land. Die Bundeswehr liefert sich seit Wochen Feuergefechte mit Taliban. Krieg. Ja es herrscht Krieg, auch wenn man es kriegsähnlicher Zustand nennt. Da sind Fallen, Hinterhalte und Tote nun mal normal. Aber nein, die Taliban sind ja hinterfotzige Spinner die ganze böse von hinten kommen. Während unsere strahlende Armee mit überlegender Technologie und Waffentechnik fein wie Edelmänner von vorn kommt. Meiner Meinung nach ist dieser ganze Einsatz eine Farce. Was wollen wir dort, man sieht doch deutlich, dass wir dort keinen Frieden schaffen, nicht wenn wir noch hundert Jahre dort bleiben, nicht wenn wir noch so viele Talibannester ausräuchern und nicht wenn die Regierung noch so viele Tote bedauert.

Es wird ja immer gesagt, dass es ganz ganz schlimm wird, wenn die Truppen abgezogen werden. Ja. Und weiter? Es wird auch so schlimm. Es ist ja nicht so, dass die Bevölkerung jetzt in westlichen Verhältnissen lebt, der Krieg zwischen Taliban und Bundeswehr ist zermürbend. Wir verbessern dort nichts. Und es ist an dieser Stelle egal, ob die Terroristen dran Schuld sind. Man kann diese Menschen nicht ausblenden. Der Krieg bringt allerhöchstens der Waffenindustrie und Bundeswehrsoldaten, die es nicht trifft,was. Frieden kann so nicht enstehen. Aber nun ja, wie sagt man so schön? Dabei sein ist alles.

Nachtrag: Heute erschossen Bundeswehrsoldaten fünf afghanische Soldaten. Durch den Hinterhalt des Taliban sitzen die Finger wohl etwas locker am Abzug. Friendly Fire durch unsere Soldaten. Die Details werden noch geklärt. Aber es scheint auch mit der schlechten Ausrüstung der Afghanischen Armee zu tun zu haben.

Links zum Thema:
Hinterhalt der Taliban
Bundeswehtsoldaten töten Afghanische Soldaten

Das System “Abfalleimer”

März 26, 2010 - 2:47 am 2 Comments

Ein Beitrag vom 27.01.2010, 02:09
Verfasst von Mordechaj

1918 kam die Wiener Stadtreinigung als eine der ersten mit derartigen Mitteln experimentierenden unter den europäischen Staaten auf eine grandiose Idee: Man stellte Behälter auf, die es den Leuten erleichtern sollten, ihren Müll zu beseitigen.
Die Wirkung war durchschlagend: Wenn natürlich auch nicht gänzlich verschwand der Müll aus den Straßenbereichen in der Nähe jener Behälter. Man hatte mit dieser einfachen Installation Müllprävention betrieben, die Entscheidung gegen Stadtverschmutzung deutlich erleichtert.

Die Entsorgung des eigenen Abfalls war schon immer ein philosophisches Problem; – wie oft schon hat man den kategorischen Imperativ mit Müllbergen im Wald erklärt? Hier stößt man allerdings an die Grenzen der Politik, an das Menschenbild unserer Gesetzgebung. Demnach ist nach allgemeinem Dafürhalten unsere indirekte Demokratie ein Produkt des Menschenbildes homo oeconomicus, des Menschen, der nach der Maximierung des eigenen Nutzen strebt. Zur Konsequenz dieses in unserer Verfassung verankerten Menschenbildes gehört es auch, Einrichtungen zu schaffen, die dieses Verhalten gesellschaftsfähig machen, denn das Individuum soll sich nicht der Gesellschaft, sondern die Gesellschaft dem Individuum beugen.
In der Marktwirtschaft ist so eine Einrichtung beispielsweise die Theorie von der unsichtbaren Hand, das eigennützige Streben von Unternehmern erhält in einem System von natürlichen Freiheiten das Allgemeinwohl.

Das System “Abfalleimer” beugt sich den selben Voraussetzungen, man geht in der Betrachtung eines für die gesellschaftliche Ordnung problematischen Sachverhaltes von einem nach eigenem Nutzen strebenden Individuum aus, das der betroffenen Gesellschaft angehört.
Was ist die Konsequenz daraus?

Die Konsequenz ist die Schaffung von Umständen, vornehmlich von Freiheiten und nutzenmaximierten Alternativen, die es dem Individuum praktisch nicht erlauben, durch sein Nutzstreben die gesellschaftliche Ordnung zu kompromittieren, bzw. ihm die Alternative, welche dem Allgemeinwohl am dienlichsten ist, besonders “schmackhaft” zu machen, ohne ihn in seinem Wesen einschränken zu müssen.

Beispiele:
1. Auf einem Universitätscampus entstehen genau dort Trampelpfade, wo die gepflasterten Wege nicht die kürzeste Verbindung zwischen zwei Gebäuden darstellen. Trampelpfade verstoßen streng genommen gegen die gesellschaftliche Ordnung, die ja eigentlich Rasen auf den Leerflächen haben will. Die Trampelpfade sind aber nicht die Schuld der Studenten, die ja nur ökonomische Individuen sind, sondern die Schuld der Architekten, die diese Eigenschaft nicht bedacht haben. Man gesteht den Wegbenutzern also entweder zu, die kürzeren Wege zu nehmen, oder – dem Rasen zuliebe – man pflastert von Anfang an ökonomisch.
2. Das Herunterladen von Medien aus dem Internet geht schnell, bequem von zu Hause aus und man hat oftmals die Möglichkeit Medien zu erwerben, die auf ehrlichem Wege gar nicht oder nur unter sehr viel Aufwand zu bekommen sind. Dieses Handeln ist eine Straftat, da es das Urheberrecht verletzt und letztendlich eine Form Diebstahl darstellt. Der Straftatbestand an sich ist aber nur deshalb einer, weil dem Nutzer, der ja ein ökonomisches Individuum ist, nicht ausreichend ähnlich nutzenmaximierte Alternativen geboten werden. Man gesteht den Nutzern also entweder zu, weiterhin herunterzuladen und zieht lediglich die Bereitstellenden dieser Inhalte zur Rechenschaft, oder – die aufgrund des gesteigerten kulturellen Austausches und für die Ankurbelung des medialen Bewusstseins bessere Variante – man bietet Alternativen, welche verhindern, dass sich man auf kriminelle Weise derlei Medien verschafft (im Gespräch war lange Zeit eine Kulturflatrate, welche von Piraten und Grünen befürwortet wurde, bisher aber immer noch selbst in der Theorie sehr unausgereift und unpraktikabel wirkt).
3. Eine hohe Anzahl von Straftaten wird aus Verzweiflung und Chancenlosigkeit begangen. Schon seit Anbeginn der ersten größeren Gesellschaftsordnungen sperrt man Menschen weg, die aufgrund von sozialer Benachteiligung straffällig werden. Das ökonomische Denken des Menschen hindert diese Individuen daran, zum Wohle der Gesellschaft brav in ihrer Chancenlosigkeit auszuharren und dahinzuvegetieren beziehungsweise sich unter größten Anstrengungen eine andere Lebenssituation zu erobern. Man gesteht diesen Menschen also entweder zu, andere Menschen zu berauben und in Gefahr zu bringen oder – die einzig gesellschaftlich vertretbare Option – man kämpft zu allererst gegen die Umstände an, welche dieses Verhalten hervorruft.

Aber das System hat natürlich auch seine Schranken, einerseits weil natürlich nicht jedes gesellschaftswidrige Handeln von einer Diskrepanz zwischen Maximalnutzen und gesellschaftlicher Anforderung hervorgerufen wird, andererseits weil es einen Gegenanteil gibt, dem der Maximalnutzen immer noch schmackhafter ist, als die gebotene nutzenmaximierte Alternative – denn der Weg zum Abfalleimer ist immer noch länger, als wenn ich den Müll einfach vor meine Füße fallen lasse.

Ein Beispiel für ersteres:
Steineschmeißen auf den McDo auf der Sternschanze will nichts als provozieren, es gibt da keine fehlende Freiheit oder versagte Alternative. Vorwiegend ist dieses Verhalten Antiökonomisch gerichtet. Tze, diese Autonomen.

Ein Beispiel für zweiteres:
Die GEZ-Beamten mögen zwar sogar an meine Wohnungstür kommen und mir praktisch den Zahlungsvertrag persönlich ausfüllen, aber nicht bezahlen ist immer noch bequemer und äußerst ökonomisch.

Ein weiterer Denkansatz:
In einer Hand voll philosophischer Diskussionen stellt man sich die Frage, inwieweit ein Mensch schuldfähig ist, wo doch beinahe bewiesen sei, dass er keinen freien Willen besäße. Ich halte diese Einschätzung von vornherein für falsch, nicht zuletzt weil das Fehlen eines freien Willens eine metaphysisch aufgeblasene Annahme ohne Halt noch Realitätssinn ist. Ich denke aber wohl, dass man die Schulfähigkeit eines Individuums an den Determinanten messen sollte, denen es unterliegt. Eine dieser Determinanten ist beispielsweise das ökonomische Dasein, denn während er sich natürlich entscheiden kann, nicht gesellschaftswidrig zu handeln – zumal es seinen Nutzen nicht maximiert, 5 Jahre wegen Raubkopiererei abzusitzen -, bleibt die Frage, ob eine Gesellschaft Handlungen bestrafen kann, welche durch wesensgebende Eigenschaften des Menschen hervorgerufen werden und für welche sie nicht in der Lage ist, ernstzunehmende Alternativen zu schaffen. Wenn versagte Freiheit nämlich zu einem Verbrechen führt, ist es kein Verbrechen mehr im eigentlichen Sinne, es ist mehr ein Unfall. Zumindest, wenn man sehr schicksalsgläubig ist.

Bombenalarm

März 11, 2010 - 12:02 pm 1 Comment

Ich sitze nun schon hier, denn ich hatte heute fünf Stunden eher Schluss als der Plan aufzeigt. Warum? Mitten in einer Informatikarbeit, wurden wir aus selbiger gerissen, als ein Lehrer den Raum betrat und uns etwas schwer atmend, aber ruhig erklärte, dass wir die Computer runterfahren und dann auf dem schnellsten Weg nach Hause sollen. Bombenalarm. Weniger panisch, denn ein wenig euphorisch verließen wir das Schulgebäude. Auf dem Weg zum Busbahnhof haben wir uns dann aber doch Gedanken über diesen Fall gemacht. Also außer “ob morgen keine Schule ist?” und “Juhuu, wir mussten unsere Klausur nicht schreiben”. Welcher Attentäter der Erfolg wünschte kündigte seine Anschläge an? War es nur ein Fehlalarm weil da jemand etwas vermeiden wollte? Wir ist die Schule eigentlich an die Information gekommen? Ein Anruf? Eine Mail? Wer war es? Ein Schüler oder eine Ehemaliger? Was waren die Gründe? Was wäre gewesen, wenn es wirklich eine Bombe und keine Warnung gegeben hätte? So viele offene Fragen und keine Gewissheit auf Antworten. Ich hoffe, dass der Täter geschnappt wird, schon allein aus Neugier, was wohl hinter dieser Geschichte steckt.

Und das alles pünktlich zum Jahrestag von Winnenden. Ob das Zufall war?

Bilder

März 9, 2010 - 6:48 pm No Comments

Im Verlauf einiger vegangener Tage hat es mein Leben eingerichtet, dass mein Weg immer mal wieder einen Kiosk kreuzte. Dementsprechend oft prasselten die gewohnt penetranten Schlagzeilen der Bild auf mich ein, sinngemäß eigentlich immer das gleiche: >>Sind wir dumm, wenn wir noch arbeiten? – Das tolle Leben der Hartz IV – Schmarotzer<<
In gewohnter Weise ein wenig Hass-Propaganda, zur Entschärfung derselben eignet sich [dieser Artikel] ganz gut.

Killergeneration ist wieder da

März 9, 2010 - 12:00 am No Comments

Nachdem die Seite dank eines dummen technischen Fehlers meinerseits down war, ist sie nun wieder da und diesmal auch mit frischem Design. Glücklicherweise sind auch noch alle Artikel erhalten, nichts ist abhanden gekommen. Ich hoffe, dass ich und die anderen Autoren jetzt wieder mehr dazu kommen Artikel zu verfassen.

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